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Der Zahn der Zeit

Claudia Hohrein interessiert die malerische Darstellung von Metalloberflächen, die bereits in den Prozess des Zerfalls eingetreten sind. Dabei arbeitet sie ohne Tricks und Effekte und präsentiert unseine ehrliche und pure Malerei in altmeisterlicher Technik.

Mit einer unglaublichen malerischen Akribie spürt sie den Zeichen der Korrisionen nach, erfindet eigene malerische Chiffren dafür. Sie taucht vollkommen in die Beobachtung dieser mäandernden, netzartigen Strukturen ein und nimmt den Betrachter mit auf eine Reise voller Entdeckungen des Sehens, zum Beispiel die der Schönheit von rostendem Eisen und „lost objects“.

Ihre Bilder inszenieren die technischen Metallteile stark abstrahiert in Anschnitten oder großen Ausschnitten. Der bildgebende Gegenstand ist nie ganz dargestellt, Teilbereiche sind herangezoomt. So entsteht eine abstrakte Bildkomposition deren Spannung noch durch den Kontrast zwischen völlig homogenen, emotionslos und nüchtern
wirkenden glatten Farbflächen und der Darstellung der verwitterten und brüchigen Oberflächen noch erhöht wird.

Ihre Arbeiten zum Thema Vergänglichkeit strahlen trotz massiver Sujets Leichtigkeit aus.
In den neuesten Bildern erinnert die malerische Darstellung durch ihre spezielle Farbgebung an Strukturen in der Natur, zum Beispiel an Flechten, die auf Steinen wachsen.

Beeindruckend ist, wie sich Claudia Hohrein diesen langwierigen Bildprozessen widmet. Ihre Bilder wachsen langsam und beharrlich, so wie der Zahn der Zeit sich unaufhörlich in das Metall frisst. Sie geht unbeirrt ihren eigenen Weg und positioniert sich in dieser schnelllebigen Zeit mit Bildern, die den Betrachter zu eindrucksvollen
Schauprozessen einladen.

Weil ihr dies gelingt, ernenne ich Claudia Hohrein zu meiner Meisterschülerin und wünsche ihren Bildern viele Betrachter mit viel Zeit!

Ute Wöllmann, Akademieleiterin

Berlin, im Mai 2015